Vincenzo Bellinis Oper Norma ist bekannt für ihre wunderschöne Musik und ihre emotionalen Höhepunkte. Besonders berühmt ist das Gebet der Oberpriesterin an die Mondgöttin („Casta diva“), der verführerische Gesang des römischen Prokonsuls Pollione („Vieni a Roma...“) und die Duette zwischen der Oberpriesterin und der Novizin, die die Harmonie und Spannung zweier Sopranstimmen eindrucksvoll zeigen.
Diese musikalischen Meisterwerke sind eingebettet in eine kontrastreiche Struktur. Sie reicht von einer leidenschaftlichen Ouvertüre über die geheimnisvolle Atmosphäre der nächtlichen Einführung bis hin zu kraftvollen Ensemble-Konfrontationen und mitreißenden Chornummern. Dabei setzt Bellini das Orchester gezielt ein, um die dramatischen Momente auf der Bühne zu verstärken.
Ein Höhepunkt ist das große Finale, in dem Normas klagender Gesang an ihren Vater alle Stimmen vereint und das Geschehen auf eine fast überirdische Ebene hebt.
Bellini schuf seine Oper gemeinsam mit seinem bevorzugten Librettisten, dem für Eleganz, Wohllaut und Pathos seiner Verse bewunderten Felice Romani, und für die Tragödin Giuditta Pasta, die in Rossinis Seria-Partien neue Maßstäbe gesetzt hatte: Die schauspielerische Beseelung ihrer Rollen galt als beispiellos, ihre Stimme faszinierte durch unerhörte Modulations- und Ausdrucksfähigkeit. Als Vorlage für die neue Oper wurde die kurz zuvor in Paris kreierte gleichnamige Tragödie von Alexandre Soumet gewählt. In einem Brief trägt Bellini der Pasta das Stück mit den Worten an: »Ich hoffe, dass dies Sujet Ihrem Geschmack entspricht: Romani hält es für sehr effektvoll und Ihrem enzyklopädischen Charakter angemessen.«
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(Quelle: wiener-staatsoper.at)