Pique Dame entstand 1890 nach einer Erzählung von Alexander Puschkin. Das Libretto schrieb Modest Tschaikowsky, der Bruder des Komponisten, der die Vorlage entscheidend umformte: Aus Puschkins konzentriertem, psychologisch zugespitztem Kammerspiel entwickelte er eine große Oper mit ausgedehnten Gesellschaftsszenen und Tableaus. Während Puschkins Text nüchtern, ironisch und beinahe klinisch in seiner Beobachtung bleibt, rückt die Oper die Leidenschaften der Figuren in den Mittelpunkt.
Die Uraufführung fand 1890 am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg statt. Bereits Puschkins Erzählung gehört zu den prägenden literarischen Mythen dieser Stadt: ein düsteres, psychisch aufgeladenes Petersburg, in dem Wahrnehmung und Wahn ineinander übergehen. Werke wie Dostojewskis »Der Doppelgänger« oder Gogols »Die Nase« stehen in dieser Tradition. Tschaikowskys Vertonung verlieh dem Stoff darüber hinaus eine enorme kulturelle Reichweite und machte ihn zu einem der zentralen Werke des russischen Repertoires.
Als mögliches historisches Vorbild der Gräfin gilt Natalja Petrowna Golizyna, eine Petersburger Adelige des 18. Jahrhunderts, der ein geheimnisvolles Kartenspiel zugeschrieben wurde, mit dem sie stets gewann. Ob Wahrheit oder Legende – gerade diese Ungewissheit zwischen Fakt und Fiktion prägt bis heute die Faszination der Pique Dame.