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Ticketinformation

Karten in der 8. und 9. Kategorie können eingeschränkte Sicht haben und werden mit erhöhtem Aufschlag verkauft.

Über die Veranstaltung

Oper von Richard Strauss

Als die ge­plan­te Auf­füh­rung sei­ner Opera seria Ariad­ne auf Na­xos im Pa­last ei­nes Wie­ner Neu­rei­chen mit der Tanz­mas­ke­ra­de ei­ner ita­lie­ni­schen Ko­mö­di­en­trup­pe zu­sam­men­ge­legt wird, ist der jun­ge Kom­po­nist zu­nächst ver­zwei­felt.

Dass er sich ein­ver­stan­den er­klärt, ist vor al­lem der Tän­ze­rin Zer­bi­net­ta zu ver­dan­ken. In der Oper selbst be­geg­nen wir Ari­ad­ne, ver­las­sen und ver­zwei­felt. Erst dem Gott Bac­chus ge­lingt es, sie zu neu­em Le­ben zu er­we­cken. In der mys­ti­schen Ver­ei­ni­gung der bei­den bleibt noch Platz für Zer­bi­net­tas Spott: »Kommt der neue Gott ge­gan­gen, hin­ge­ge­ben sind wir stumm!«

Bar­rie Kos­ky ver­legt den Be­ginn von Ariadne auf Naxos in die Vil­la Beer – ein groß­bür­ger­li­ches Wie­ner Haus um 1900. Hier trifft sich ei­ne Ge­sell­schaft, in der sich das wohl­ha­ben­de Bür­ger­tum mit Künst­lern der Oper und der Ope­ret­te um­gibt – ein Ort, an dem Ernst und Un­ter­hal­tung, gro­ße Oper und leich­te Mu­se selbst­ver­ständ­lich in­ein­an­der­grei­fen.

Für Kos­ky liegt die Her­aus­for­de­rung des Stücks im stän­di­gen Um­schla­gen zwi­schen Pa­thos und Leich­tig­keit. Die­se Ge­gen­sät­ze trei­ben sich ge­gen­sei­tig an und dro­hen im­mer wie­der aus der Ba­lan­ce zu ge­ra­ten. Wird das ei­ne zu schwer, kippt das an­de­re. Ge­ra­de aus die­sem Mo­men­tum her­aus ent­steht je­ne Span­nung, die den Abend trägt.

Zer­bi­net­ta und ih­re Trup­pe ge­hö­ren äu­ßer­lich zur Com­me­dia dell’ar­te. Kos­ky legt je­doch of­fen, was sich hin­ter die­ser Chif­fre ver­birgt: der Kos­mos der Ope­ret­te mit ei­ner neu­en Ge­ne­ra­ti­on eman­zi­pier­ter Frau­en. Zer­bi­net­ta steht für Be­we­gung, Wech­sel und die Frei­heit, sich im­mer neu zu bin­den. Die Vor­stel­lung, ei­nem ein­zi­gen Mann treu zu blei­ben, ist ihr fremd. Ari­ad­ne da­ge­gen hält an ge­nau die­ser Idee fest – und mit ihr an ei­ner Ernst­haf­tig­keit, die Schmerz und Ver­lust nicht re­la­ti­viert. Zwi­schen bei­den ent­steht kein sim­pler Ge­gen­satz, son­dern ein Span­nungs­feld zwei­er Hal­tun­gen zum Le­ben und zur Welt.

Am En­de steht Bac­chus: Dio­ny­sos, der Gott des Thea­ters. Für Kos­ky ist er ei­ne Fi­gur, die die­se Ge­gen­sät­ze nicht auf­löst, son­dern ver­wan­delt. Das Thea­ter be­ginnt dort, wo sich Tra­gi­sches und Ko­mi­sches ge­gen­sei­tig an­trei­ben, Fun­ken schla­gen – und et­was Neu­es ent­steht.

Ariadne auf Naxos ge­hört zu den sub­tils­ten Par­ti­tu­ren von Ri­chard Strauss. Cha­rak­te­ris­tisch ist der flie­ßen­de Wech­sel zwi­schen ge­gen­sätz­li­chen mu­si­ka­li­schen Ebe­nen: Im Vor­spiel über­wiegt ein be­weg­li­cher, re­zi­ta­ti­vi­scher Duk­tus, wäh­rend die Oper in der Oper stär­ker von gro­ßen, weit­ge­spann­ten Bö­gen ge­prägt ist – bei­de Aus­drucks­for­men durch­drin­gen je­doch das ge­sam­te Werk.

Da­bei ver­langt die Mu­sik ei­ne be­son­de­re Ba­lan­ce. Ko­mö­di­an­ti­sche Leich­tig­keit und he­roi­scher Ton müs­sen naht­los in­ein­an­der­grei­fen, oh­ne ein­an­der zu über­de­cken. Ge­ra­de die­se Ver­bin­dung macht den Reiz der Par­ti­tur aus: Strauss ar­bei­tet mit fei­nen Über­gän­gen, nicht mit schar­fen Brü­chen.

Trotz ver­gleichs­wei­se klei­ner Or­ches­ter­be­set­zung ent­steht ei­ne er­staun­li­che Viel­falt an Far­ben und Aus­drucks­for­men. Im­mer wie­der öff­net sich die Mu­sik zu gro­ßer Em­pha­se, et­wa in den letz­ten Mi­nu­ten der Oper, die wie ein Hö­he­punkt ei­ner durch­ge­hen­den mu­si­ka­li­schen Wel­len­be­we­gung wir­ken.

Zu­gleich bleibt die Mu­sik eng an Spra­che und Sze­ne ge­bun­den. Der spe­zi­fi­sche Ton­fall des Li­bret­tos – ge­prägt vom Wie­ner Sprach­duk­tus der Zeit – wird mu­si­ka­lisch auf­ge­nom­men und wei­ter­ge­führt.

Ariadne auf Naxos hat ei­ne un­ge­wöhn­li­che Ent­ste­hungs­ge­schich­te. In der ers­ten Fas­sung von 1912 war die Oper Teil ei­nes Thea­ter­abends nach Mo­liè­res Der Bürger als Edelmann. Zu­nächst wur­de ein Schau­spiel mit ei­ge­ner Hand­lung ge­spielt, an des­sen En­de die Oper als fest­li­che Ein­la­ge folg­te – auch Zer­bi­net­ta und ih­re Trup­pe tre­ten hier als Teil die­ses Büh­nen­pro­gramms auf.

Erst die Über­ar­bei­tung von 1916 brach­te die heu­te be­kann­te Form. Das Schau­spiel wur­de ge­stri­chen und durch ein neu kom­po­nier­tes Vor­spiel er­setzt, das un­mit­tel­bar vor Be­ginn der Oper spielt. Zum ers­ten Mal wird da­mit die Ent­ste­hung der Auf­füh­rung selbst zum The­ma – und die Oper zu ei­nem Stück über das Thea­ter.

Im Zen­trum steht ein The­ma, das Hof­manns­thal als »sim­ples und un­ge­heu­res Le­bens­pro­blem« be­zeich­ne­te: die Treue. Wäh­rend Zer­bi­net­ta den stän­di­gen Wech­sel der Lie­be als selbst­ver­ständ­lich be­greift, hält Ari­ad­ne an der Idee ei­ner ein­zi­gen, ab­so­lu­ten Bin­dung fest.
Ge­ra­de die­se Ver­bin­dung von Thea­ter­re­fle­xi­on und exis­ten­zi­el­ler Fra­ge macht Ariadne auf Naxos bis heu­te so be­son­ders.

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(Quelle: wiener-staatsoper.at)
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Staatsoper Wien

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